Pigasus - Polish Poster Gallery

Danziger Straße 52, 10435 Berlin - Prenzlauer Berg

Zbigniew Kaja

Zbigniew Kaja The Girl from Maxim 1970 Zbigniew Kaja Lekarz z urojenia 1957 Zbigniew Kaja La belle Helene 1957 Zbigniew Kaja 55 Anniversary Greater Poland Uprising 1973 Zbigniew Kaja Discover the beauty of Wielkopolska 1966 Zbigniew Kaja Zbigniew Kaja Exhibition 1959 Zbigniew Kaja Interior design and industrial forms 1965 Zbigniew Kaja 1 May XX 1964 Zbigniew Kaja J S Bach 1967 Zbigniew Kaja Yung Polish Poetry Festival 1954 Zbigniew Kaja The Haunted Manor 1976 Zbigniew Kaja Triumph of Socialism 1961 Zbigniew Kaja La vie parisienne 1960 Zbigniew Kaja Miss Amber 1961 Zbigniew Kaja Police 1959 Zbigniew Kaja Love for love 1977 Zbigniew Kaja Thank You Ewa 1962 Zbigniew Kaja Sylva Zbigniew Kaja Story of amber 1969 Zbigniew Kaja Sierakow 1966 Zbigniew Kaja Consul 1961 Zbigniew Kaja Wielkopolska Cultural Festival 1961 Zbigniew Kaja ZOO Warsaw 1954 Zbigniew Kaja I Polish Poster Exhibition 1953 Zbigniew Kaja Galczynski Poetry Festival 1968 Zbigniew Kaja La vie parisienne 2 1960 Zbigniew Kaja International Fair Poznan 1961 Zbigniew Kaja Poznan Zbigniew Kaja International Biennale of Contemporary Exlibris Zbigniew Kaja He left the house 1973 Zbigniew Kaja 22 July 1960 Zbigniew Kaja Peoples Republic of Poland beauty and new 1955 Zbigniew Kaja Firework 1967 Zbigniew Kaja Donkey and shadow 1959 Zbigniew Kaja A Simple Case of Money 1951 Julian Palka Zbigniew Kaja Musicbox 1965 Zbigniew Kaja Wicker Exhibition 1977 Zbigniew Kaja Night in Venice 1974 Zbigniew Kaja Blind 1954 Zbigniew Kaja The Tale of five brothers 1967 Zbigniew Kaja Mouse 1959 Zbigniew Kaja VI PUWP Congress 1971 Zbigniew Kaja Devil 1959 Zbigniew Kaja Midsummer 1976 Zbigniew Kaja Romeo and Juliet 1960 Zbigniew Kaja Roxy 1971 Zbigniew Kaja Never again Zbigniew Kaja La Boheme 1966 Zbigniew Kaja Political poster 1955 Zbigniew Kaja The Girl from Maxim 1972 Zbigniew Kaja Quo Vadis 1966 Zbigniew Kaja 10 Years 1955 Zbigniew Kaja Those in Gingham 1950 Zbigniew Kaja Otello 1962 Zbigniew Kaja Poland 1964 Zbigniew Kaja I am a patriot Im working class hero 1979 Zbigniew Kaja The Visit 1958 Zbigniew Kaja Hamlet 1950 Zbigniew Kaja Man of La Mancha 1972 Zbigniew Kaja Cyrano de Bergerac 1957 Zbigniew Kaja Machiavelli Zbigniew Kaja The beginnings of Polish cities 1977 Zbigniew Kaja 1410 Battle of Grunwald 1960 Zbigniew Kaja 1955 Swiatowy Festiwal Mlodziezy i Studentow Zbigniew Kaja Puolan Talousnayttelly 1952 Zbigniew Kaja Wolsztyn invites 1966 Zbigniew Kaja Konrad Wallenrod 1957

Zbigniew Kaja

Zbigniew (Zbychu) Leon Kaja (1924 - 1983)

1951 Abschluss an der Akademie für Bildende Künste in Poznan. Maler, Grafikdesigner, Bühnenbildner, Kostümdesigner. Einer der Gründer der s.g. "Polnischen Plakatschule", Schöpfer von über 300 Plakate. Bisher wurden über 300 seine Grafikarbeiten, 86 Ölbilder, 298 Exlibrise, über 400 Umschläge für Bücher, Kataloge und Theaterprogramme archiviert. Er gestaltete 49 Bühnenbilder. 1962 - 1977 Künstlerischer Leiter des Büros für Kunstausstellungen (BWA), später der Nationalen Verlagsagentur in Poznan (KAW). 1961-1965 Dozent an der Akademie für Bildende Künste und Adam-Mickiewicz-Universität in Poznan.
Sein künstlerisches Schaffen war eng mit Poznan und der Region Großpolen verbunden.
Teilnahme an 28 individuellen und über 40 Sammelausstellungen in Polen und im Ausland. 30 seine Plakate wurden ausgezeichnet, 9 Mal mit dem ersten, 8 Mal mit zweitem Preis.

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ZBIGNIEW (ZBYCHU) KAJA*
Mein Vater wurde 1924 in Posen geboren. In Posen lebte und arbeitete er, in Posen ist er 1983 mit 59 Jahren - zu früh - gestorben. Die Berliner Ausstellung erinnert an ihn - reichlich spät. Allzu viel seiner Freunde sind schon gegangen, er hat nur wenige Notizen und noch weniger Publikationen hinterlassen, und ich habe schon so viel vergessen. Wenn jemand stirbt, ist es, als ob eine ganze Bibliothek in Flammen aufginge.
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Ich bewahre ein paar Bilder in meiner Erinnerung ... Als ich noch ein Kind war, saß ich auf seinem Schoß und krakelte etwas auf ein Blatt Papier. Er fügte dem Gekritzel zwei, drei Striche hinzu und verwandelte es so auf eine magische Weise in ein grafisches Zeichen, in eine amüsante Figur eines Tieres, eines Gewächses oder eines Männleins. Ich erinnere mich, als wir im Posener Bezirk Łazarz auf der Straße spielten, und der Vater, als er ein paar Stufen hinuntersprang, sich sein Bein gebrochen hatte. Mich beeindruckten die Malereien, die er auf seinem Gipsverband hervorzauberte. Ich erinnere mich an ihn, als er an seinem Zeichenbrett saß, die schwere Brille bis ans Nasenende heruntergerutscht. Ich erinnere mich an seine kleine Kammer, sein Arbeitszimmer, das ich nicht zu betreten wagte, um ihn bloß nicht zu stören: violette Vorhänge, zwei Tische, an den Wänden 08/15-Schränke mit ganzen Papierstößen überladen, eine freie Wand zum Aufhängen der letzten Arbeiten, in einer Ecke das Bett, darüber und darunter Plakatrollen, überall Bücher und überall Glöckchen, die er sammelte, in einer anderen Ecke Angeln und Paddel, grelles Licht einer Neonröhre und ein großer Fleck von der roten Tusche, die ich als Kind vergoss. Er bewahrte hier eine perfekte Ordnung, trotz einer schier unvorstellbaren Menge an Papier, welches sich in Mappen, Stößen und Ordnern türmte - eigentlich war das ein Lager für Schnipsel, Ausschnitte und Farben; für eine Unmenge an bunten Farben, Blumen in einem Garten gleich. Auf dem Tisch war alles pedantisch angeordnet: Pinsel in Bechern, Holzschnittstichel in Büchsen, Blei- und Buntstifte sowie Radiergummis in Metallschachteln, und ein Blatt weißes Papier, das immer bereit lag, daneben ein riesiges Glas mit reinem Wasser, in das er die Pinsel tunkte. Aus diesem Glas tranken unsere Katzen und hinterließen nicht selten die Chrysanthemen ihrer Pfoten auf der Zeichnung, die daneben lag. Unter dem Tisch wiederum war der Stammplatz seines geliebten Hundes - Tim war ein großer, schwarzer, gemütlicher Faulpelz. Dieses Zimmer gibt es nicht mehr.
Sobald mein Vater jedoch sein geheiligtes Arbeitszimmer verließ, wurde er zu einem Hallodri. Die Küche glich einem Schlachtfeld, nachdem er sich dort ans Werk machte. Alles konnte er entbehren, nur keine Tomaten. Die Tomatensuppe kochte er täglich, sei es auch nur ein kleines Töpfchen. Um zu Mangelzeiten Tomatenmark für den Winter zu ergattern, zwang er manchmal alle Hausbewohner, sich in gigantischen Schlangen anzustellen. Er war ein Schlemmer, aß ausgiebig und fettig. Leider war er auch einem Gläschen nicht abgeneigt. Seine Gestalt war, mild ausgedrückt, rundlich.
Ich weiß noch, dass das summende Radio ihn beim Malen immer begleitete. Er mochte diesen mit Musik durchmengten Wortschwall. Er hatte seine Lieblingslieder. Die besten waren es nicht, muss man anmerken. Darunter gab es ein Lied, ein hässliches, das er für den mutigen Text mochte. Offenbar hörte er aber nicht richtig hin, denn er war fest davon überzeugt, dass darin von einem "kleinen, feinen Hund, der schrecklich fett" sei die Rede wäre. Er summte dieses Lied in einem fort, und war baff, als ihn jemand letztendlich aufklärte, dass der Hund eigentlich nur nett wäre.
Er bediente sich gern einer Schere. Zack, zack machte die Schere, er schnitt etwas aus, schnitt etwas zurecht, manchmal ohne darauf zu achten, dass er gerade ein schönes Buch bearbeitete, wofür er zu Hause streng gerügt wurde. Einer seiner Gäste sah ihm einmal zu, als er etwas nach seiner Schnitt-Methode kreierte, und seufzte dabei: "Du schneidest so herum, und die Kasse klingelt bei dir, während ich arbeiten muss, um Geld zu verdienen." Mein Vater war außerordentlich fleißig. Wenn ich an ihn denke, so sehe ich ihn immer beim Malen, oder aber liegend, durch die Krankheit an das Bett gefesselt. Ich kann mich an seinen Anruf aus dem Krankenhaus erinnern, als er mich in komplizenhaftem Flüsterton darum bat, jetzt, sofort, ohne der Mutter ein Wort zu sagen, zu ihm zu kommen. Damals war es nicht leicht, außerhalb der Besucherzeiten auf die Station zu gelangen. Als ich, in äußerster Panik, ihm ginge es schlecht, alle Hürden bewältigte, bat er mich leise, verschämt, die Batterien in seinem Radio auszuwechseln. Da hatte er aber den richtigen erwischt - kannte ich mich doch damit auch nicht aus, was bis heute so geblieben ist. Ihm aber war dieser Umstand peinlich. Sogar die Glühbirnen in seiner Arbeitsleuchte musste ihm die Mutter immer auswechseln. Eine größere Schraubenansammlung war für ihn allenfalls Anreiz, ein Modell oder eine Skulptur-Collage daraus zu basteln. In der schönsten Arbeit dieser Art, verarbeitete er die Klospülung, die wir eine Zeit lang sehr vermissen mussten. Die "Syrena", unseren Kleinwagen, zu fahren, konnte er sich nicht beibringen. Vielleicht weil er sich gerne chauffieren ließ. Er streunte mit Mutter in ganz Polen umher, das Zelt samt tausend brauchbaren und unbrauchbaren Dingen im Kofferraum. Sie huldigten der Regel: entweder Luxus oder Wildnis und Natur. Und da wir uns den Luxus fast nie leisten konnten, landeten wir gewöhnlich in einer abgelegenen Ecke, wo es nicht mal Strom gab. In ihren Studentenjahren waren mein Vater und meine Mutter oft im Forsthaus Pranie zu Gast. Später verfielen sie den Landschaften von Großpolen, den Forsten um Neutomischel und der Brahe-Gegend. Wenn der Vater nicht gerade malte oder zeichnete, hielt er immer eine Angel in der Hand, und wir hatten stets Schleien oder Hechte auf dem Mittagstisch.
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Mein Vater arbeitete mit dem Verlag WAG (Graphische Verlagsgesellschaft) und dann mit der KAW (Nationale Verlagsgesellschaft), später als deren Leiter, zusammen. Er lehrte kurz an der Posener Hochschule für Bildende Künste und an der Posener Adam-Mickiewicz-Universität, doch die Lehrtätigkeit befriedigte ihn nicht. Hin und wieder betätigte er sich auch als Ministerialrat für Grafik. Und doch gab er immer den Ateliers vor den Amtsstuben den Vorzug. Daher treffe ich bis heute an Theatern und in Druckereien alte Mitarbeiter, die sich gut seiner erinnern können, und nicht nur der gemeinsamen Aufträge, aber auch Späße gedenken, die sie zusammen trieben. Sie beschwören nicht nur das Bild eines vorzüglichen Plauderers, sondern auch eines Fachmanns, der Achtung genoss, herauf. Mein Vater war arbeitswütig. Man berichtet mir, dass er, seiner unzähligen Sorgen ungeachtet, witzig angelegt war, vor Humor sprühte und oft über sich selbst lachte. Das höre ich mit Vergnügen, zumal ich mich selbst so nicht an ihn erinnern kann. Bei mir hat sein jahrelanges Dahinsiechen, die Erschöpfung durch die Krankheit, andere Erinnerungen überdeckt, denn Vater lag zehn Jahre lang im Sterben.
In Posen kannte und schätzte man ihn, doch er wurde schnell vergessen. Weder veröffentlichte, noch dokumentierte er seine Arbeiten. Vielleicht weil er sich über sein eigenes Talent nicht im Klaren war, so vermute ich. Dieses Talent verschleuderte er, nicht zuletzt, weil er nicht imstande war, etwas abzuschlagen. Seine Arbeiten, die so mannigfaltig waren, sind zerstreut und es ist schier unmöglich eine komplette Bestandsaufnahme davon zu machen. Die meisten Entwürfe wurden nicht mal unterzeichnet. Zu dem Kreis seiner Nächsten gehörten Leute, die mit der Kunst nichts zu tun hatten - eigene Familie, sowie die Familien Dembski, Karpiel, Morryson. Ansonsten war er mit ein paar Plakatkünstlern befreundet, die uns oft besuchten. Jan Lenica, der Posen früh verließ, war darunter; der Freund des Hauses Antoni Rzyski, und Julian Pałka. Mit Pałka arbeitete er sogar zusammen, doch als dieser sich 1954 bei seinem Hamlet-Plakat eines Schriftzugs bediente, der aus dem früheren (1950) Hamlet-Plakat meines Vaters stammte, kündigte Vater bloß die Freundschaft auf, anstatt gegen das Plagiat auf sein Recht zu pochen.
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Mein Vater versuchte sich in verschiedenen Kunstrichtungen; in allzu vielen. Schade, dass er sich nicht auf seine wesentlichen Talente konzentrierte. Er konnte hervorragend mit Farben umgehen. Er war auch Theater-Bühnenbildner. Er beschäftigte sich mit dem Ausstellungswesen, und arbeitete an den polnischen Pavillons für die Messe und die Expo. Dennoch widmete er sich vor allem der Gebrauchs- und Verlagsgrafik. Das war sein Steckenpferd. Er entwarf Logos, Lettern, Briefmarken, Banknoten, Illustrationen und Umschläge für Bücher und Theaterprogramme. Er war auch ein vorzüglicher Exlibris-Gestalter. In diesen Miniaturmeisterwerken aus seiner Werksatt verschlüsselte er die Charakterzüge des Buchbesitzers. Die Sammlung seiner Exlibris stellt heute die Galerie der wichtigsten Posener jener Zeit dar. Darunter befindet sich der von meinem Vater entdeckte Straßenbahner Zygmunt Warczygłowa, ein Laienmaler, dessen Karriere er förderte.
Zbychus OEuvre ist von bemerkenswerter Fülle, einer allzu opulenten. Er hat sich verrannt. In dieser Anhäufung übersieht man leicht seine wunderbaren Skizzen aus der Türkei, Collagen aus Samarkand oder die Zeichnungen von der Warthe und der Brahe. Er schaffte theatralisch anmutende Linoleum- und Holzschnitte, die wohl noch besser geraten sind. Als einer der ersten bediente er sich der Fotogravüretechnik in seinen künstlerischen Arbeiten. Bei der Durchsicht seiner Werke fallen mir heute zwei für Vaters Schaffen wesentliche Merkmale ins Auge: die Leichtigkeit im Umgang mit dem eigenem Talent und zugleich die Aufrichtigkeit seinem Fach gegenüber. Vielleicht konnte sich sein Können in der Plakatkunst deswegen am vollsten entfalten.
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Man kannte und schätzte meinen Vater vor allem wegen seiner Plakate. Er war ein Mann des Plakats aus Fleisch und Blut, ein vorzüglicher Schriftkünstler, mit einem grafischen Blick, mit einem ausgeprägten Sinn für die Verkürzung ausgestattet, und dabei ein hervorragender Zeichner. Er vermochte es, eine knappe Botschaft mit einer möglichst einprägsamen Bildsprache zu verknüpfen. Er schaffte es, den ganzen Inhalt in ein einziges Zeichen zu bannen. Er ist Autor von beinahe 300 Plakaten. Bis heute steht die genaue Zahl nicht fest, denn die Plakate werden immer noch archiviert. Meistens handelt es sich um politische Plakate und Theater-Plakate. Meine Mutter hat Notizen hinterlassen, in denen sie versuchte sein ganzes Werk zu umfassen. Nach ihrem Tod arbeiten die Enkelkinder Dominika und Mateusz in Posen, und ich selbst in Breslau emsig an einer Auflistung der Hinterlassenschaft. Sicherlich gibt es noch viele unentdeckte Arbeiten von meinem Vater, deren Spuren man in Veröffentlichungen, Rezensionen, Verlagen und persönlichen, ungeordneten Notizen suchen soll. In seine Vergangenheit einzutauchen, ist ein rührendes Erlebnis. Ich kann mich erinnern, dass mein Vater, als er an einem Plakat arbeitete - damals fertigte man die Vorlagen in der Originalgröße an - immer zu einem Fernrohr griff, und dadurch verkehrt rum das Ergebnis betrachtete, um zu sehen, wie es aus der Entfernung, auf der Straße wirken würde. Als ich selbst bereits Malerei studierte, prägte er mir immer wieder ein, dass man das Zimmer bisweilen verlassen muss und es dann als Fremder erneut betreten sollte, um zu sehen, was man verpfuschte.
Seine Plakatkunst brachte ihm rasch Erfolg. Er verließ die Staatliche Hochschule für Bildende Künste nach dem Abschluss in Grafik 1953, und bereits ein Jahr später nahm er seinen ersten 1. Preis für ein Plakat auf der Polnischen Allgemeinen Plakatausstellung entgegen. Er war einer der Mitbegründer der erfolgreichen Schule des polnischen Plakats. Sein bekanntestes, am meisten geschätztes und im In- und Ausland vielfach ausgezeichnetes Werk ist das Auschwitz-Plakat "Nie wieder" aus dem Jahr 1955, sowie seine zweite Fassung "Wir werden nicht vergessen" von 1962. Mein liebstes Plakat von ihm wiederum ist "Boheme" für die Posener Oper aus dem Jahr 1966. Bis jetzt gelang es mir, achtundzwanzig seiner Individual- und über vierzig Gruppenausstellungen aufzuzählen, sowohl im In- als auch im Ausland, u. a. in Deutschland, in der UdSSR, in Korea, in der Türkei, in Indien, China, Ungarn, Dänemark, Norwegen, Schweden, Jugoslawien, Belgien, Holland, Italien und in Frankreich. 1985 gab es im Posener Zeughaus die erste Ausstellung nach seinem Tod, die einen Überblick über sein ganzes Werk bot. Man stellte über eintausend seiner Werke aus: über zweihundert Plakate, Bilder, Radierungen, Zeichnungen, Exlibris, Entwürfe, Skizzen, Buchumschläge und obendrein unser beliebtes Kaffee-Service, bemalt mit teuflischen Zeichen. Heute befindet sich die größte Sammlung seiner Arbeiten, vorrangig Plakate, im Staatlichen Museum Posen. Es ist höchste Zeit, sein Andenken vor dem Vergessen zu bewahren. Ryszard Kaja - der Sohn
* Die Erinnerungen verfasste ich anlässlich der Ausstellung der Plakate meines Vaters in der polnischen Plakatgalerie "Pigasus" in Berlin im August 2010. Die Idee, eine Ausstellung in dieser Form zu organisieren, hatte Krzysztof Dydo von der Krakauer Plakatgalerie. Eine große Hilfe bei der Vorbereitung leisteten die Inhaber der polnischen Plakatgalerie "Pigasus" in Berlin, Asia und Mariusz Bednarski, die sich für die Arbeiten meines Vaters interessierten, was mich sehr bewegt. Seinen Anteil daran hat auch Mateusz Kaja, der Enkel und mein Neffe, der seinen Großvater nicht kennenlernen sollte. Die größte Mühe bei der Vorbereitung dieser Ausstellung nahm jedoch Leszek Jamrozik auf sich, der mit ganzem Herzen dabei geblieben ist. Allen gilt mein herzlichster Dank Ryszard Kaja

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ZBYCHU
Zbychu - so hat man ihn allenthalben genannt: in der Familie, unter Freunden. Auch Leute, mit denen er sich nur gelegentlich traf, nannten ihn so. Als Zbychu - ein hilfsbereiter, geselliger und fleißiger Kerl - hat er seinen Platz in der Überlieferung gefunden. All seine Errungenschaften vorzustellen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Mit kleinen grafischen Formen wie Exlibris und Briefmarke angefangen, über Plakate, die ihn berühmt machten, bis zu den Bühnenbildarbeiten, Ausstellungsaufträgen, Bildern, Entwürfen. Alle seine Werke zu erfassen, würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Manche waren vergänglicher Natur. Zum Beispiel Leuchtreklamen oder Raumarrangements existieren einfach nicht mehr. Die Erfolge, die ihm zuteil wurden, verdankte er seinem meisterlichen Können und der Schlichtheit. Seine Werke fanden beim Betrachter eben durch die Vereinfachung und die Klarheit der angewendeten Mittel Gefallen.
Er war imstande schöpferisch zu arbeiten, ohne auf die Umstände zu achten. Den Beweis dafür hatte Zbychu erbracht, als er in einem Plakatwettbewerb zwei Preise und eine Auszeichnung einheimste. Zu diesem Zeitpunkt war er schon seit längerem ans Bett gefesselt. Im Liegen verfertigte er Entwürfe, von denen er drei auswählte, sie fotografieren und vergrößern ließ, und anschließend mittels Anilin, das damals zu diesem Zweck gebräuchlich war, entsprechend kolorierte. Talent muss man eben haben.
Er war ein Schriftkünstler ohnegleichen. Zbychu feilte an den Buchstaben, bis sie perfekt waren. Heutzutage, in der Computerära fällt es einem schwer, so kunstvolle Lettern zu finden, wie die seinen. Anekdotisch war eine Begebenheit, die sich zugetragen hatte, als er in Anbetracht seines Perfektionismus den Auftrag bekam, handschriftlich eine Eingabe der Bürger Großpolens an den ersten ZK-Sekretär zu gestalten. Die Zeit drängte, und zur Verfügung stand ein einziges Blatt Büttenpapier, das damals nur schwer aufzutreiben war. Zbychu machte sich an die Arbeit, und wurde kurz vor der verabredeten Abgabe fertig. Er prüfte das letzte Mal das Ergebnis, man musste lediglich die Bleistiftspuren entfernen. Also griff er zum Radiergummi, jetzt blieb es nur noch, die Krümel wegzufegen, und just in diesem Moment berührte er mit der Hand das kleine Pinselchen, das aus dem Glas Wasser herausragte. Das Wasser lief über das Ergebnis der emsigen Arbeit, die nun niemand mehr gebrauchen konnte. Was dann kam, wäre Stoff für eine andere Geschichte.
Zbychu war ein Posener aus Fleisch und Blut. Als er ein überaus günstiges Angebot bekam, nach Warschau zu gehen, sagte er, zum Leidwesen seiner entsetzten Familie - nein. Posen, Großpolen - das war sein Platz an der Sonne. Hier war er hauptsächlich tätig, wenngleich er auch auswärts reüssierte, sowohl im In- wie auch im Ausland. Auf seinen Bildern verewigte er nur die heimischen Landschaften. Auch zum Angeln, was seine Leidenschaft war, wagte er sich nicht allzu weit weg. Masuren, die Ostsee oder das Gebirge kamen nicht in Frage. Dort konnte man sich zwar erholen, bloß was ist das für eine Erholung ohne Angeln?
Mit zwei Dingen wurde er nie fertig - mit dem Geld, das er nicht beachtete, und mit der Gesundheit, die er einfach nicht hatte. Zbychu war fast immer krank. Als ich ihn das letzte Mal sah, meinte er: Ich kann gegen die Widrigkeiten ankämpfen, gegen eine Krankheit oder gegen zwei, doch nicht gegen alles auf einmal. Ich habe keine Kraft mehr. Und so gab er nach.
Zbigniew Kaja wurde 59 Jahre alt. Er starb in seinem geliebten Posen am 6. Oktober 1983.
Przemysław, der ältere Sohn

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